Laufend kommen neue digitalisierte Tonspuren von Schellackplatten in das Archiv der Schweizerischen Stiftung Public Domain.
Diejenigen, die uns irgendwie interessant vorkommen, werden jeweils in unregelmässigen Abständen in unserem Newsletter vorgestellt.
Dieser Newsletter dokumentiert zwei Schenkungen: Unterhaltungsmusik von Georg Ammann, Pfäffikon ZH und klassische Musik von Theo Haldemann, Zürich und enthält einige persönliche Reminiszenzen.
This newsletter documents the progress in establishing an inventory of the archive of shellac records of the Swiss Foundation Public Domain.
The records mentioned below can be accessed through the following playlists and albums:
Donations are sorely needed to pay for the materials and the rent of the storage space.
Grosse Doubletten-Liste
Da sich verschiedene Interessenten für unsere Doubletten interessieren, haben wir
eine neue Liste mit Doubletten hergestellt.
Diese besteht aus rund 5'000 Platten (10'000 Plattenseiten).
Schellackplatten kann man auf herkömmlichen Plattenspielern abspielen, sofern
diese neben 33 und 45 auch auf 78 rpm (Umdrehungen pro Minute) eingestellt werden können.
Spezielle Nadeln sind nicht nötig, können aber - besonders bei ganz alten Platten - die
Abspielqualität etwas erhöhen.
Unsere Platten enthalten keine Brüche, sind sauber abgewischt und werden in Pergaminhüllen
ausgeliefert. Jede solche Platte kostet CHF 5.00 plus Verpackungs-/Porto-/Transport-Kosten.
Letztere sind bei kleinen Bestellungen ziemlich teuer, da die Verpackung bruchsicher sein muss.
Man kann die Platten auch in Rüti vor Ort abholen.
Bei grösseren Bestellungen ist mit Lieferfristen von 1 Monat für 1000 Platten zu rechnen.
Keine Qualitätsgarantie
Nachdem wir über 20'000 Platten digitalisiert haben, wissen wir, dass die akustische Qualität
nicht optisch beurteilt werden kann. Manche Hersteller haben Platten ausgeliefert, die ungespielt
("mint quality") schrecklich rauschen, kratzen und pfeifen. Da die Umdrehungsgeschwindigkeit so
gross ist, hören sich auch Platten, die optisch ziemlich benutzt aussehen, manchmal hervorragend an.
Qualitätsprüfung vor Kauf
Deshalb bieten wir auch professionell gewaschene und akustisch geprüfte Doubletten an.
Wer an einem Titel interessiert ist, bezahlt vorgängig CHF 25.00 für das Waschen und Prüfen und
kann sich online von der akustischen Qualität überzeugen, bevor er die so erfassten Platten
des Titels für CHF 25.00 pro Platte bestellt.
Spenden und Unterstützung
Die Schweizerische Stiftung Public Domain ist dringend auf Spenden angewiesen, um die Lagermiete und das Archivmaterial (Plattenhüllen, Archivschachteln) und externe Digitalisierungen von Tonbändern zu bezahlen.
Sämtliche Arbeit am Archiv wird ehrenamtlich geleistet.
Bitte unterstützt diese Arbeit!
Mitgliedschaft Förderverein
Wer wünscht, dass das Schellackplatten-Archiv auch längerfristig besteht, wird gebeten, dem Förderverein beizutreten.
Mitglieder (100 CHF/Jahr),
Gönner (250 CHF/Jahr) und
Institutionen als Mitglieder (2000 CHF/Jahr)
Helfer gesucht
Man kann uns auch unterstützen, ohne etwas zu spenden. Wir suchen Helfer auf folgenden Gebieten:
Bekanntheit des Schellack-Archivs steigern
Treffen organisieren
Präsenz auf Social Media aufbauen und pflegen
Wikipedia-Einträge für Interpreten und Komponisten unserer Platten erstellen
Kontakte mit anderen Organisationen aufnehmen und pflegen
Redaktion Newsletter
Unsere Internet-Radio-Kanäle technisch betreuen
Unsere Internet-Radio-Kanäle inhaltlich betreuen
Fundraising
Es genügt, uns Interesse an Mithilfe als Antwort auf diesen Newsletter zu bekunden.
Mechanischer PlattenspielerDigitalisierungs-Station
Anlässlich des Umzugs unseres Büros auf Ende Oktober vom KMM-Dürnten nach Rüti ZH offerieren wir
viele Schellackplatten für CHF 2.00 pro Stück zum Verkauf.
Es handelt sich um Doubletten in unserem Archiv, die nicht auf unserer Liste erfasster Doubletten stehen.
Diese Platten können während diesem Schellack-Happening vor Ort auf einem
historischen, mechanischen Plattenspieler oder auf unserer
modernen Digitalisierungs-Station abgespielt und angehört werden.
Schellackplatten kann man auf modernen Plattenspielern abspielen, sofern man sie auf 78 rpm einstellen kann.
(Experten analoger Musik nutzen spezielle Nadeln zum Abspielen alter Platten. Das ist nicht absolut notwendig, kann aber einen etwas authentischeren Klang erzeugen.)
Schliesslich kann man Plattenhüllen und (leere) Alben mit originalem Titeldesign erstehen.
Die Erlöse gehen an das Schellack-Archiv.
Alle Interessenten sind herzlich willkommen zu einem informellen Austausch auch wenn sie nichts kaufen wollen.
Zwischen den Platten fanden wir auch Text-Zettel, Werbe-Listen und andere Dokumente.
Schellack-Knappheit
Neue Platten gegen alteMahnung
Eine Mahnung der Plattenhandlung Hug, alte Platten zurückzugeben und ein Aufruf, alte beschädigte Platten abzugeben,
erinnert daran, dass 1941/42 eine Schellack-Knappheit bestand. Gemäss Oestreicher erreichte der Preis für Schellack
das Zwanzigfache des Vorkriegsniveaus. Anscheinend wurde Schellack von der Rüstungsindustrie benutzt.
Man experimentierte mit Ersatzmaterialien (z.B. PVC) für Schellack bei der Schallplattenproduktion.
Alte (beschädigte) Platten wurden zermahlen und für die Produktion neuer Platten verwendet.
Die Recyclingaktion ist mit ein Grund, warum Platten vor 1945 seltener sind als spätere.
Nicht nur in der Schweiz, sondern zum Beispiel auch in den USA.
Helvetica
Wir fanden besonders viele Platten mit Bezug zur Schweiz, die wir in einer Playlist Helvetica zusammengefasst haben.
Vico TorrianiVico Torriani landete 1949 mit Silberfäden einen Hit,
der auch auf Kino-Orgel oder in Dänemark gespielt wurde.
Die Vorlage Silver Threads Among the Gold wurde 1873 in den USA publiziert und war beliebt als zum Piano gesungene Hausmusik.
Vico Torriani machte mit seinem Text daraus eine Reverenz an seine Mutter.
Beliebtheit bei Müttern und Grossmüttern ist ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor für populäre Musik. Sie hat nicht nur Heintje mit Mama zum Grosserfolg geholfen und sichert
heute Elvis und Rock'n Roll einen lange andauernden Erfolg.
Lale Andersen, Artur Beul
Auch die oben erwähnte Lale Andersen hätte auf die Helvetica-Liste gepasst, da sie 1949 den Schweizer Komponisten Artur Beul heiratete und seine Lieder sang.
Klassische Orgelmusik
Hans Vollenweider
Der weltberühmte Hans Vollenweider war Organist am Grossmünster Zürich, als er zum Beispiel die Sonate in D-Dur einspielte.
(Die auf dem Plattenlaben erwähnten Lebensdaten des Komponisten Leonardo Vinci helfen, sollen wohl Verwechslungen mit dem berühmten Leonardo da Vinci vermeiden helfen.)
Patriotisches
Die Schweizerische Landesausstellung 1939 ("Landi 1939") fand kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs statt und stand im Zeichen
der gegen deutsche Einvernahmung gerichteten Schweizer Selbstbehaupung, die später als "Geistige Landesverteidigung" bezeichnet wurde.
Landi Schwebebahn
Eine eigens für die Landi gebaute Schwebebahn verband Wollishofen mit dem Zürihorn und wurde ein grosser Publikumserfolg.
S Landi-Dörfli TextUf der Landi-Schwäbibahn Text
Zu diesem Fest erschien auch eine Schallplatte mit den Liedern S Landi-Dörfli
und Uf der Landi-Schwäbibahn gesungen von damals sehr beliebten Schweizer Sängern.
Und die Plattenfirma verteilte dazu Text-Zettel zum Mitsingen.
Auch ein offizieller Festmarsch Zwischen Rhone und Rhein / Du Rhône et Rhin wurde für die Landi komponiert und auf Schallplatte verkauft.
Und auf der Rückseite dieser Platte spielte die Stadtmusik Zürich den Strassenmarsch Gandria
"empfohlen von der Schweiz. Landesausstellung 1939". (Erinnert mich irgendwie an "von Babys empfohlen" in der Werbung für Pampers. Weder Babys noch die Landi dürfte jemals jemandem etwas empfohlen haben.)
Bambini Ticinesi
Die Helvetica-Kollektion enthält einige Aufnahmen der "'Bambini Ticinesi' unter der Leitung von Maestro Arnaldo Filipello (1887–1953), der schon bald auch nördlich des Gotthards und sogar im Deutschland Goebbels’ Bekanntheit erlangen sollte."
wie wir einer Website über das Radio Monte Ceneri entnehmen, aus der auch das Bild stammt.
Die Deutschschweiz ist mit Ländlern, Chören, Märschen aus vielen Regionen vertreten.
Wenn am Zürichsee TextAm Sonntag fährt man Velo Text
Eine besondere Erwähnung verdient Lasar Pugatsch, der viele Lieder
über Zürich geschrieben hat. Online findet man kaum etwas über ihn ausser, dass er zusammen mit Max Lichtegg und anderen berühmten Künstlern den Verein Omanut gegründet hat.
In dieser Sammlung haben wir Wenn am Zürichsee die Bäume blüh'n und
Am Sonntag fährt man Velo zusammen mit den zugehörigen Text-Zetteln gefunden.
Fräulein! Händ si mis Hündli gsee?
Fräulein! Ich gsee-n-es niene mee!
Fräulein! ...
Wie bei so vielen populären Textanfängen zu Musikstücken (z.B.: "Wenn der Hund mit der Wurst übern Eckstein springt ...") irritiert es mich, dass der Text nicht mindestens eine volle Strophe abdeckt.
Aber niemand wusste, wie er nach diesem vielversprechenden Anfang weitergeht ...
Ich warte immer noch auf eine komplette Strophe zur Melodie dieses "River Kwai Marschs", wie ich diese Musik später - lange bevor ich den Film sah - nennen lernte.
Zum Beispiel als Zürich-Hymne: "Züri! Das liit am Zürisee. Züri! ...".
Als ich vor ein paar Wochen auf diese Platte stiess, lernte ich dank Wikipedia, dass das Stück vor dem Ersten Weltkrieg 1914 von einem Briten komponiert wurde und den Titel "Colonel Bogey" trug.
Was es mit dem "Inf.-Regiment 23" auf sich hat, konnte ich nicht eruieren. Zur Bezeichnung "Colonel Bogey" fand ich dagegen mehrere Erklärungen.
Nicht jede Marschmusik hat ihren Ursprung im Militär. Gut Holz! entstammt zum Beispiel der Welt des Kegelns.
Und der Colonel-Bogey-Marsch verdankt seine Entstehung dem Golfspiel. Der British Army Bandmaster Kenneth J. Alford soll bei einem Golfspiel einen alten Oberst - eben Colonel Bogey - gehört haben,
wie er jeweils zwei Töne in einer eine absteigende kleinen Terz pfiff, um Personen zu warnen, die sich in der Fluglinie des Golfballs aufhielten. Die Aitiologie der Benennung mag zweifelhaft sein,
aber der Marsch ist tatsächlich zentral auf das Intervall der ersten zwei Töne ausgerichtet, die im Laufe der Melodie mehrfach wiederholt werden. Und dass sie sich besonders gut zum Pfeifen eignet,
wurde im Film "The Bridge on the River Kwai" ausgenutzt, wo die britischen Kriegsgefangenen in das Arbeitslager der Japaner im Gleichschritt einmarschieren und dazu diesen Marsch pfeifen, da ihnen natürlich keine Militärmusik zur Verfügung steht.
Populäres
Will Glahé
Die Schenkung von Georg Ammann enthielt natürlich auch populäre Musik ohne Bezug zur Schweiz.
In einer separaten Playlist haben wir die Platten mit der Musik von Will Glahé zusammengestellt.
Reginald Foort
Auch Aufnahmen weltlicher Orgeln - Kino-, Theater-, Konzert-Orgeln - waren so häufig vertreten,
dass wir sie separat zusammengestellt haben.
Die "Gigantische Möller Konzert-Orgel" von Reginald Foort kommt in der Light Cavalry Ouvertüre (Seite 1, Seite 2) besonders gut zur Geltung.
Marschmusik
Franz von BlonMarschmusik ist auch ohne Schweizbezug in der Schenkung reichlich vertreten.
Der Titel des oben erwähnten Deutschen Kegler Marschs Gut Holz! ist heute noch der Glückwunsch, mit dem man sich an Keglerturnieren begrüsst.
Verschiedenes
Robert MacGimsey
Schliesslich fand sich noch Leichte Musik,
Gesang - vorwiegend aus Opern - und
Seltsames in der Schenkung.
So zum Beispiel Harmonie-Pfeifen von Robert MacGimsey.
Schlaflied Reminiszenz
Meine Eltern flüchteten aus der DDR etwas mehr als ein Jahr nach deren Gründung 1949. Eine Mauer gab es damals noch nicht.
Sie nahmen einfach die S-Bahn in Berlin und stiegen an einer Haltestelle in West-Berlin aus. Weil das Verlassen der Ost-Zone verboten war,
konnte man nicht viel mehr mitnehmen als was man auf dem Leib trug. Sie waren nicht an Leib und Leben bedroht und strebten auch
keine wirtschaftliche Verbesserung an. Es gibt eben nicht nur Kriegsflüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge, sondern auch Unfreiheitsflüchtlinge.
Deutschland hatte zu dieser Zeit eine gut eingespielte Flüchtlingsverwaltung, die schon Millionen "Binnenflüchtlinge" aus Polen und der Tschechoslowakei reloziert hatte. Man wusste, wo man diese in Westberlin zu suchen hatte. Nach ein paar Monaten
im Flüchtlingslager in Berlin wurden sie nach Clausthal-Zellerfeld im Harz geschickt. An diesem Kältepol Deutschlands mit überwiegend männlicher Bevölkerung
gab es Bergwerksindustrie und eine Technische Universität, wo mein Vater in Physik promovieren konnte. Dort bin ich geboren.
In Spendenaufrufen sieht man immer wieder bedauernswerte Flüchtlingskinder. Die Fundraiser wissen, dass man für arme Tiere und Kinder mehr
Spenden generieren kann als etwa mit Schellackplatten. Ich merkte natürlich nicht, dass ich ein bedauernswertes Flüchtlingskind war,
und fühlte mich durchaus wohl. Wir hatten ein kleines Zimmer, litten keinen Hunger, hatten einen Ofen und ein WC separat vor dem Haus,
das ich glücklicherweise dank Töpfchen-Alternative nicht benutzen musste, da es im Winter ganz schön kalt war. Mit Bleistift,
Zollstock, Zirkel, Taschenmesser, Laubsäge und Schmirgelpapier stellte mein Vater meine ersten Bauklötze aus Brennholz her.
Unsere Kleider wurden von meiner Mutter auf einer geschenkten, uralten Nähmaschine zusammengenäht. Wer
kein Geld hat, muss Zeit haben.
Guten Abend, gute Nacht
Und wer kein Geld hat, muss selber Musik machen. Meine Mutter spielte damals auch noch viel klassische Musik auf ihrer Violine.
Schliesslich war sie Tochter eines Musiklehrers in Rostock. Abends sang sie für mich Schlaflieder aus einem Büchlein "Guten Abend, gute Nacht",
das vor allem Wiegenlieder berühmter Komponisten enthielt.
So kam es, dass ich bis vor Kurzem davon überzeugt war, dass Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein
von Wolfgang Amadeus Mozart stammt. Die etwas schlüpfrige zweite Strophe war Mozart durchaus zuzutrauen. Sie wurde von meiner Mutter wohl jeweils weggelassen.
Auch in dem Schlosse schon liegt
Alles in Schlummer gewiegt;
Reget kein Mäuschen sich mehr;
Keller und Küche sind leer.
Nur in der Zofe Gemach
Tönet ein schmelzendes Ach.
Was für ein Ach mag das seyn?
Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein!
Schlaf ein! schlaf ein!
Ich war also überrascht, dass auf dieser Platte ein "Fries" als Komponist angegeben wurde. Das hat mich dazu motiviert,
online Genaueres zu suchen. Gemäss französischer Wikipedia wurde das Lied 1799 als Komposition von Mozart und publiziert und kam 1803 als
Werk von Bernhard Flies heraus. Der Text stammt aus einem
Schauspiel "Esther" von Friedrich Wilhelm Gotter. Die Musik wird heute Johann Friedrich Anton Fleischmann zugeschrieben, der
sie 1796 für sein Singspiel "Die Geisterinsel" komponiert haben soll. Dass der erste Takt identisch mit dem bekannten Wiegenlied ist,
ist allerdings eine eher dünne Begründung für dessen ursprünglicher Urheberschaft. Zum Glück gab es damals noch kein Urheberrecht!
Dass dieses Liedchen immer Mozart zugeschrieben wird, war auch den Wiener Sängerknaben bekannt, als sie diese Platte aufnahmen.
Warum insistieren sie auf der Angabe "(Musik & Text: Fries - Arrang. Fritz Krull)"? Stützen sich die überirdischen Sopran-Verzierungen
der zweiten Strophe auf der Ausgabe von 1803? Oder wurden sie von Fritz Krull hinzugefügt? Dem Einschlafen förderlich sind sie jedenfalls nicht.
Schenkung Theo Haldemann
Die Schenkung von Theo Haldemann, Zürich
enthält ausschliesslich klassische Instrumentalmusik. Darunter sehr viele Alben von Sonaten, Konzerten und Symphonien, die natürlich nicht
auf die zwei Seiten einer einzigen Schellackplatte passen.
Symphonie-Orchester
In der Playlist Symphonie-Orchester sind die Stücke zusammengefasst, die auf eine Platte passen.
Daneben enthielt die Schenkung noch diese Alben mit Orchester-Werken (Symphonien und Konzerten):
Johann Sebastian Bach Concerto in E Major gespielt von Gioconda De Vito, dirigiert von Anthony Bernard
Lenco 44RC
Sobald mein Vater als Assistent sein erstes karges Einkommen erzielte, wurde ein Plattenspieler gekauft. Er sah ungefähr so aus wie der Lenco 44RC.
Der Deckel war grau, der Untersatz blau. Der Tonarm hatte ganz vorne einen kleinen Schalter, den man nach links oder rechts umlegen konnte,
je nachdem, ob eine Schellack- oder eine Vinylplatte abzuspielen war, was mit einem roten bzw. blauen Punkt auf dem Schalter angedeutet war.
Von da an wurde sonntags jeweils eine Platte aufgelegt, um dem Sonntagsfrühstück eine festliche Note zu verleihen. Meine Mutter legte meistens
dieses Konzert von Bach oder das Violinkonzert von Mendelssohn auf. Mein Vater wählte jeweils Händel. Dessen Musik habe so etwas Strahlendes.
Als meine Eltern eine modernere, bessere Anlage anschafften, erbte ich dieses Kofferradio und spielte darauf Beatles und Jazzplatten in meinem Zimmer ab.
Letztere fanden meine Mutter und unsere Nachbarin ganz schrecklich.
Diese Konzert spielte meine Mutter oft und noch lange auf ihrer Geige. Sie hatte Aufnahmen von Yehudi Menuhin und Igor Oistrach. Letztere stammten wohl aus der DDR.
Ich weiss nicht mehr, ob es Schellack- oder Vinlyplatten waren. Wir besassen jedenfalls einige Schellackplatten aus dem Osten, an deren violette Eterna-Plattenhüllen ich mich noch gut erinnere.
Von diesem Mendelssohn-Konzert besass sie eine "Minus One"-Aufnahme, wo die Solostimme der Geige fehlt, damit man das Konzert selber mit Orchesterbegleitung zuhause spielen kann.
Auch die Platte mit dem berühmten Doppelkonzert von J. S. Bach gespielt von Dawid und Igoe Oistrach (Vater und Sohn) war oft bei uns zu hören.
Dieses Konzert habe ich in den Siebziger Jahren auf einer Vinlyplatte (zusammen mit dem Cellokonzert?) auf Empfehlung tschechischer Freunde gekauft,
die nach der russischen Invasion in der Tschechoslowakei in die Schweiz geflohen waren. Ich schätze es sehr. Auf dieser Aufnahme hört man die Stradivari von 1696, die Ida Haendel 60 Jahre lang gespielt hat.
Klavier & Violine
In der Playlist Konzert & Violine findet man klassische Solo-Aufnahmen.
Béla Bartók
Erwähnenswert sind die "Roumanian Folk Dances" (Seite 1,
Seite 2).
Der Ungar Béla Bartók hat nicht nur bestechende moderne Musik kompiniert, die irgendwo zwischen Gershwin und Stravinsky angesiedelt ist,
sondern sich auch als Musikethnologe betätigt. In ausgedehnten Reisen durch Ungarn, Rumänien, Siebenbürgen, die Slowakei und die Türkei
sammelte er systematisch musikalisches Volksgut - teils als Tonaufnahme (Wachszylinder), teils schriftlich notiert.
Auch in diese Kategorie fallen viele Alben mit längeren Sonaten:
Auch die Klaviermusik von Franz Liszt war in der Schenkung so zahlreich vertreten, dass sich eine separate Playlist aufdrängte.
Dazu passt noch ein Album in diese Kategorie:
Franz Liszt Mephisto-Walzer gespielt von Géza Anda
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